Wie angekündigt melde ich mich noch einmal zum Thema Kortison. Im Raum steht die Frage, ob die Anwendung von Kortison auch das Endergebnis der Abheilung beeinflusst und nicht nur zu einer schnelleren Rückbildung der Symptome verhilft.
Dazu habe ich mir zwei Schriften angeschaut. Zum ersten das, was die Schweizer MS-Gesellschaft schreibt. Ich zitiere daraus:
Sind die Beschwerden, die während eines Schubs auftreten, sehr belastend und schränken sie im Alltag ein (z.B. Sehstörungen oder Lähmungen), so kann Kortison eingesetzt werden. Mit einer hochdosierten Kortisonbehandlung bilden sich die Entzündungsherde und Symptome in der Regel schneller zurück.
Das Kortison wird als tägliche Kurzinfusion beim Arzt oder in der Klinik (während 3-5 Tagen) oder in Tablettenform (während mehrerer Tage) verabreicht. Je nach Indikation kann ein «Ausschleichen» von Kortison mittels Tabletten nach der hochdosierten Kortisonbehandlung notwendig sein.
Kortison ist nicht als Dauertherapie geeignet, da die Langzeitanwendung schwere Folgen haben kann, z.B. Osteoporose oder Diabetes mellitus.
Die Behandlung mit Kortison beeinflusst nur die Rückbildung des Schubs, nicht aber den Verlauf der Multiplen Sklerose.
Quelle: Behandlung | Schweiz. MS-Gesellschaft
Der zweite Text, den ich mir angesehen habe, ist die Broschüre “Schubtherapie der Multiplen Sklerose” in Form einer PDF-Datei der DMSG Hamburg (kann man googeln). Dort heißt es in der Schlussbetrachtung, ich zitiere wieder:
Es liegen nur wenige aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit der Kortisontherapie im Schub vor. Eine Übersichtsarbeit fasst 6 Studien zur Kortisontherapie bei akuten Schüben der MS zusammen.
Die Analyse deutet darauf hin, dass es durch die Gabe von Kortison beim akuten Schub bei einem von vier Behandelten zu einer schnelleren Rückbildung der Beschwerden kommt. Andere Effekte, wie zum Beispiel ein Einfluss auf die langfristigen Einschränkungen, konnten nicht gezeigt werden.
Die in der Übersichtsarbeit zusammengefassten Studien geben keinen Hinweis darauf, wie das Kortison optimalerweise gegeben werden sollte. Dies gilt sowohl für die Art (i.v., oral) und die Dauer der Gabe, als auch für den Wirkstoff und die Dosierung.
Nebenwirkungen, wie Stimmungsschwankungen oder Magen- Darm- Beschwerden treten bei mehr als der Hälfte der Behandelten auf, können also nach der gängigen Praxis als sehr häufig bezeichnet werden. Bei ca. einem von 100 Behandelten kommt es zu einer schweren Nebenwirkung.
Die derzeitig verfügbaren aussagekräftigen Studien zur Schubtherapie mit Kortison, zeigen keinen Einfluss der Therapie auf den weiteren und längerfristigen Verlauf der MS.
• Die Gabe von Kortison bei akuten Schüben der MS bewirkt vermutlich bei einem Teil der Behandelten ein schnelleres Abklingen der Beeinträchtigungen.
• Spezifische Nebenwirkungen treten hierbei sehr häufig auf.
• Eine Beeinflussung des weiteren Verlaufs der MS durch die Kortisontherapie ist fraglich.
Ich lese daraus, daß die hauptsächliche Wirkung des Kortisons in einer Verkürzung der Schubdauer besteht. Daß die Ausweitung der Symptome begrenzt und das Endergebnis der Heilung beeinflusst wird, lese ich nicht.
Was meint ihr?